Jessica Richter: Der Staat und die Landarbeit

Rural History Forum 65

  • WasTerminaktuellHighlight
  • Wann04.12.2019 von 14:00 bis 15:30 (Europe/Vienna / UTC100)
  • WoSt. Pölten, NÖ Landesarchiv, Seminarraum (Erdgeschoß)
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Der Staat und die Landarbeit. Auseinandersetzungen um Arbeitsmarkt und Migration in der österreichischen Zwischenkriegszeit

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Organisation von Arbeit immer mehr zu einer staatlichen Aufgabe. So wurden bestimmte Formen der Erwerbsarbeit kodifiziert und formalisiert und mit sozialstaatlichen Ansprüchen verknüpft. Die gelernte, entlohnte, kontinuierliche und männlich dominierte Facharbeit setzte sich damit als Referenz für andere Lebensunterhalte durch. Diese Arbeit war zunehmend Staatsbürger*innen vorbehalten, die in der Zwischenkriegszeit im Zuge einer neuartigen Verknüpfung von Migrations- und Arbeitsmarktpolitik gegenüber Nicht-Staatsbürger*innen privilegiert wurden.

Die abhängigen landwirtschaftlichen Tätigkeiten von Dienstbot*innen, Tagelöhner*innen oder Saisonarbeiter*innen aber passten kaum in diese zunehmend dominanten Vorstellungen und Praktiken von Arbeit. Landarbeit war abhängig von Wetter, saisonalen Rhythmen und natürlichen Gegebenheiten, eingebettet in lokale soziale Zusammenhänge und bislang wenig rationalisiert und technisiert. Ferner basierte die landwirtschaftliche Produktion auf grenzüberschreitenden wie auch kleinräumigen Wanderungen der Arbeitskräfte. Waren die Veränderungen von Arbeit von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen begleitet, galt dies für die landwirtschaftlichen Tätigkeiten in spezifischer Weise: Sogar zwischen unterschiedlichen Behörden war hoch umstritten, wie Landarbeit zu kategorisieren und zu steuern sei.

Mit diesen behördlichen Auseinandersetzungen beschäftigt sich das FWF-Projekt „Landarbeit organisieren“ von Jessica Richter am Institut für Geschichte des ländlichen Raumes, das im September 2019 gestartet ist. Der Vortrag stellt das Forschungsvorhaben und erste Fundstücke vor. Am Beispiel der landwirtschaftlichen Arbeitsvermittlung und der Anwerbung nicht-österreichischer Saisonarbeiter*innen werden einige der Konfliktlinien zwischen Behörden aufgezeigt und Probleme bzw. Widerstände gegen die Umsetzung staatlicher Maßnahmen diskutiert.

 

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