Thomas Kühtreiber, Gábor Tarcsay, Michaela Zorko: Haus, Hof und Dorf. Siedlungsgenetische Untersuchungen an ausgewählten Dörfern am Truppenübungsplatz Allentsteig, Niederösterreich

Rural History Forum 42

  • Wann 23.11.2016 von 13:00 bis 14:30 (CET / UTC100)
  • Wo St. Pölten, NÖ Landesarchiv, Seminarraum (Erdgeschoß)
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2013 wurden die Vortragenden vom Institut für Human- und Sozialwissenschaften der Landesverteidigungsakademie sowie vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Archäologie, mit einer Pilotstudie zur Hof- und Dorfgenese von vier ausgewählten ehemaligen Dörfern am Truppenübungsplatz Allentsteig, Niederösterreich beauftragt. Während das Denkmalamt an Grundlagen zur Abklärung der Denkmalwürdigkeit einzelner Siedlungen und Bauobjekte interessiert ist, steht von Seiten des Österreichischen Bundesheeres die Erwerbung von Expertise für Kulturgüterschutzübungen im Vordergrund. Das Forschungsinteresse von Seiten des Projektteams lag wiederum im Potenzial der Siedlungsstrukturen, welche einen regionalen „Lückenschluss“ in der Entwicklung ländlicher Siedlungen vom Spätmittelalter, wie sie im Rahmen der Erforschung spätmittelalterlicher Wüstungen erarbeitet wurden, zur frühmodernen Hof- und Siedlungslandschaft, wie sie durch volkskundlich-architekturgeschichtliche Arbeiten des 19./20. Jahrhunderts erschlossen wurden, bieten. Folgende Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Wann erfolgte die Diversifizierung ländlicher Haus- und Gehöftformen von den einfachen Formen des Spätmittelalters zur stark regionalen Vielfalt des 19. Jahrhunderts?
  • Welche Dynamiken zeigen die Dorfstrukturen vom Mittelalter bis in das 19./20. Jahrhundert?
  • Welche sozioökonomischen Prozesse sind die Ursachen und Katalysatoren für diese Entwicklungen?

 

Auch wenn die bisherigen Untersuchungen noch auf einem relativ oberflächlichen Dokumentationsniveau verliefen, zeigt sich jetzt schon eine weitaus höhere Dynamik in der Hof- und Dorfentwicklung, als bislang von der Literatur beschrieben und erwartet. Auch wenn die deutlich feststellbaren Unterschiede von Dorf zu Dorf eine klare Warnung von allzu simpler Modellbildung darstellen, zeigen sich dennoch einige Gemeinsamkeiten:

  • Die Rolle der Winterstallhaltung durch die Errichtung von Ställen und Scheunen bei der Herausbildung mehrflügeliger Hofanlagen
  • Die soziale Ausdifferenzierung der dörflichen Gemeinschaft durch Gehöft i.e.S. und Kleinhäuslerbauten in Siedlungsrandlage.
  • Die sehr unterschiedliche Manifestation von Grundherrschaft(en) durch eigenständige Gebäude und Infrastruktur.
  • Die Ausbildung von anger- und straßenseitigen Hoffassaden durch Umorientierung der Wohnbauten sowie Aufstockung und Neu-Befensterung, eventuell als „urbanes“ Element in den Dörfern ab dem späten 18. Jahrhundert.

 

Das Projektteam möchte diese Thesen in Hinblick auf ein geplantes Drittmittelprojekt im Rahmen des Rural History Forums zur Diskussion stellen und hofft auf anregenden Austausch.

Mit freundlicher Unterstützung von: