Neues FWF-Projekt von Jessica Richter: Landarbeit organisieren

Ausschnitt aus: Martin Benka, Na pole, 1934. Slovenská národná galéria (SNG) public domain.Ausschnitt aus: Martin Benka, Na pole, 1934. Slovenská národná galéria (SNG) public domain.

Das FWF-Einzelprojekt wurde in der Kuratoriumssitzung im März genehmigt und wird im Herbst am IGLR starten.

Jessica Richter wird das Projekt „Landarbeit organisieren. Behördliche Auseinandersetzungen in Österreich (1918–1938)“ im September 2019 als Post-Doc am IGLR beginnen.

Zur Kurzbeschreibung des Projekts:
Arbeit in der Landwirtschaft war in der Zwischenkriegszeit die wichtigste Erwerbsmöglichkeit. Aber wie die Tätigkeiten von DienstbotInnen, LandarbeiterInnen, TagelöhnerInnen etc. im Verhältnis zu gewerblicher Arbeit zu regulieren und einzuordnen waren, blieb hoch umstritten. Nicht nur politische AkteurInnen, Interessensvertretungen, Bauern/Bäuerinnen oder Landarbeitende waren an diesen Auseinandersetzungen beteiligt. Sogar Behörden von der lokalen bis zur staatlichen Ebene hatten teils widersprüchliche Vorstellungen davon, was Landarbeit eigentlich ausmachte, ob die Wanderungen von Landarbeitenden zu fördern oder zu begrenzen waren und inwiefern regelnd die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse eingegriffen werden sollte. Während manche Behörden etwa darauf abzielten, landwirtschaftliche Tätigkeiten in die Maßnahmen zur Verwaltung des gewerblichen Arbeitsmarkts einzubeziehen, pochten andere auf die Besonderheiten von Landarbeit und damit auf eigens zugeschnittene Formen der Regulation.

Das Projekt macht sich diese Streitigkeiten und die behördlichen Maßnahmen zur Regelung landwirtschaftlicher Beschäftigung zum Gegenstand. Es geht von der These aus, dass im Zuge von Konflikten, Konkurrenzen oder Koalitionen zwischen unterschiedlichen Behörden neue Formen der landwirtschaftlichen Arbeitsorganisation durchgesetzt wurden, die mit den übergreifenden Veränderungen von Arbeit in dieser Periode im Zusammenhang standen. Das Projekt untersucht die sich oft widersprechenden behördlichen Praktiken im Detail und prüft, inwiefern die damit einhergehenden Veränderungen landwirtschaftlicher Arbeit zu neuen Hierarchien zwischen Beschäftigten führten. Dazu wird behördliches Aktenmaterial aus unterschiedlichen Bereichen der Verwaltung erhoben und systematisch verglichen.

Projektlaufzeit: September 2019 bis Oktober 2022

Porträt Jessica RichterJessica Richter war zuletzt Mitarbeiterin im first-Forschungsverbund Migration mit dem Teilprojekt Überleben in der ‚Krisenzeit‘ 1914–1950 – Brennpunkt Migration. Mit dem Projekt zur Landarbeit kann sie auch an die Arbeit für ihre Dissertation über den häuslichen Dienst in der Zwischenkriegszeit anschließen.

Das Team des IGLR freut sich mit ihr auf die neuen Forschungstätigkeiten.