Wissensgeschichte der Sojabohne in Österreich 1870–1950

Quelle: Brillmayer, 1947 Quelle: Brillmayer, 1947

In welcher Weise interagierten verschiedene Akteure in der Erzeugung, Verbreitung und Aneignung von Experten- und Alltagswissen in Bezug auf soja-basierte Güterketten im Kontext von Gesellschaft und Umwelt?

Förderung

Science Call der NÖ Forschungs- und Bildungsges.m.b.H. (NFB) &
Kommission für Interdisziplinäre Ökologische Studien (KIÖS)

Laufzeit

September 2017 – August 2020

Projektleitung

Ernst Langthaler

Bearbeiter

Georg Weissenböck

Beschreibung

Das Projekt greift innerhalb des Feldes der Agrar- und Ernährungsgeschichte den wissenshistorischen Ansatz auf und sucht am Beispiel der Sojabohne die Erzeugung, Verbreitung und Aneignung von Experten- und Alltagswissen innerhalb der agrarisch-industriellen Wissensgesellschaft in Österreich von etwa 1870 bis 1950 nachzuzeichnen. Der Diskurs um die Sojabohne wurde gewählt, weil er paradigmatisch die Formationsphase der agrarisch-industriellen Wissensgesellschaft in Österreich bis Mitte des 20. Jahrhunderts charakterisiert. Damit leistet die Arbeit auch einen Beitrag zur aktuellen Agrar- und Ernährungsdebatte.

Ausgehend von den Untersuchungen des an der Wiener Hochschule für Bodenkultur lehrenden Friedrich Haberlandt in den 1870er Jahren erschien die Sojabohne als möglicher Beitrag zur Sicherung der „Volksernährung“. Er und seine Anhänger*innen propagierten bis in die 1940er Jahre den Ersatz tierischen, durch Fleischspeisen zugeführten Eiweißes durch pflanzliches, durch Sojaprodukte aufgenommenes Eiweiß in der menschlichen Ernährung. Dabei verbanden sich wirtschafts-, gesundheits- und sozialpolitische Argumente. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen Fragen nach den Interaktionen verschiedener Akteure in der Erzeugung, Verbreitung und Aneignung von Experten- und Alltagswissen über Sojaprodukte.

Das Projekt stützt sich auf Methoden der historischen Sozial- und Kulturwissenschaften sowie der Digital Humanities, um den Quellenkorpus zu erfassen und zu analysieren. Dies umfasst die Schritte der Recherche und Digitalisierung der Quellen, der Erstellung einer Datenbank der inhaltlichen und formalen Quelleneigenschaften, der quantitativen Gesamtanalyse mittels multivariater Statistikverfahren, der qualitativen Detailanalyse ausgewählter Quellen und der Synthese der Forschungsergebnisse. Dabei wird ein breites Spektrum an Wissenschaftsdisziplinen erfasst. Zudem werden populäre Publikationen, die die lebensweltliche Aneignung von Wissensbeständen erschließen lassen, einbezogen.